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Stellungnahme zum Artikel „Schlechte Klima-Bilanz für Holzpellets“ (06.11.2019)



Berlin, 14.11.2019
Sehr geehrte Frau Ell, sehr geehrte Frau Huber,
der Beitrag „Schlechte Klima-Bilanz für Holzpellets“ auf www.br.de vermittelt einen völlig falschen Eindruck vom Heizen mit Pellets in Deutschland wie auch global. Ihr Titel „Schlechte Klima-Bilanz für Holzpellets“ ist irreführend, denn die im Beitrag aufgeführten Belege beziehen sich nur auf die Länder Großbritannien, Dänemark, die Niederlande und die USA. Ihre Leser werden daraus jedoch fälschlicherweise schließen, dass diese auch für Deutschland gelten. Das trifft nicht zu.
Pellets in Deutschland alleine zur Wärmeerzeugung In Deutschland werden Holzpellets – wie in den meisten EU-Ländern – fast ausschließlich zur Wärmeerzeugung in Pelletheizungen und Pelletkaminöfen eingesetzt. Eine Verstromung von Pellets in Kraftwerken oder in Heizkraftwerken (über die Sie schreiben) findet in Deutschland nicht statt, wie auch in den meisten anderen EU-Ländern nicht.
Effiziente Technik für moderne Holzenergie Holz steht in der Tat nur in begrenztem Maße zur energetischen Nutzung zur Verfügung und kann Kohle nicht komplett ersetzen. Es muss daher klug abgewogen werden, wo Holzenergie eingesetzt werden sollte, und das so effizient wie möglich. Waldholz und Holzpellets sollten daher nach unserer festen Überzeugung keinesfalls in Kraftwerken mit niedrigen Wirkungsgraden verstromt, sondern in effizienten Feuerungen im Wärmemarkt genutzt werden, so wie es in Deutschland für Holzpellets bereits der Fall ist. Derzeit sind hier rd. 490.000 Pelletfeuerungen installiert. Verstromt werden sollte nur Altholz, das in häuslichen Holzheizungen aus Immissionsschutzgründen nicht eingesetzt werden darf.
Nachhaltiger Rohstoff, geringer Energieaufwand zur Herstellung Es trifft zu, dass zur Bereitstellung von Energieholz und von Holzpellets – wie bei Kohle, Öl und Gas auch – Energie aufgewendet wird und dabei Treibhausgase entstehen – aber bei weitem nicht so viel, wie vielfach unterstellt wird. Im Normalfall wird die zur Pelleterzeugung notwendige Wärme über die Verstromung von Holzabfällen wie Rinde erzeugt.
Zur Pelletproduktion jedoch werden in Deutschland vor allem sog. Sägenebenprodukte (SNP) eingesetzt, also Späne und Hackschnitzel, die beim Einschnitt im Sägewerk anfallen und früher vielfach wie Abfall entsorgt werden mussten (deutlich über 90 Prozent und nicht 70 Prozent wie Sie schreiben). Die von Ihnen genannten „Äste und andere Überbleibsel der Sägewerke“ finden bei der Pelletproduktion in Deutschland qualitätsbedingt keine Verwendung. Für Pellets wird kein zusätzlicher Baum gefällt!
Rohstoff in Form von SNP ist in Deutschland aufgrund der europaweit höchsten Sägewerksdichte mit über 6 Mio. Tonnen/a in großen Mengen vorhanden. In Deutschland kommt Holz aus nachhaltig genutzten Wäldern, in denen mehr Holz nachwächst als eingeschlagen wird. (Energetische) Holznutzung schützt sogar die Wälder: Der schleichende Klimawandel mit Hitze- und Dürrephasen begünstigt Schädlinge wie Borkenkäfer. Will man diesen die Brutstätten entziehen, muss möglichst viel geschädigtes Holz aus dem Wald gebracht werden. Dort verbleibendes Schadholz verrottet und setzt dabei das gespeicherte CO2 direkt frei.
Pellets sparen große Mengen an Treibhausgasen ein Sie schreiben, dass durch die Verbrennung von Pellets in Kraftwerken „ein massiver CO2-Ausstoß in sehr kurzer Zeit“ stattfindet. Dies wäre bei der ersetzten Kohle in den genannten Kraftwerken noch viel stärker der Fall.
Das Umweltbundesamt (UBA) weist in seiner Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger aus, dass bei der Nutzung von Holzpellets in Pelletheizungen je kWh Endenergie über alle Produktionsstufen hinweg 23 g an Treibhausgasen freigesetzt werden, während es beim Verheizen von Heizöl 318 g und bei Erdgas 247 g sind. D.h. man kann mit dem Einsatz von Pellets in Heizungen im Vergleich zu fossilen Feuerungen über 90 % der Treibhausgasemissionen einsparen.
Deutschland ist Nettoexporteur, geringe Pellet-Importe aus Nachbarländern Sie schreiben, Pellets werden zum Teil aus den USA nach Europa importiert, was zusätzliches CO2 freisetzt – auch das ist für Deutschland nicht zutreffend: In Deutschland sind Importe aus den USA und Kanada mit 0,1 Prozent verschwindend gering. Verständlich, denn Deutschland ist bereits seit Jahren europaweit das Land mit der höchsten Pelletproduktion – weltweit nur von den USA und Kanada übertroffen. Die Produktion übersteigt regelmäßig den Verbrauch, daher ist Deutschland Nettoexporteur! Zur Belieferung von Pelletkunden im grenznahen Bereich wurden knapp 18 Prozent der 2018 in Deutschland verbrauchten Holzpellets aus den direkten Nachbarländern importiert.
Wir wissen, dass es für Außenstehende mitunter schwierig ist, beim Thema Holzenergie die Situation differenziert darzustellen. Wir konnten Ihnen hoffentlich darlegen, dass die in Deutschland praktizierte maßvolle Nutzung von Holzpellets im Wärmemarkt keinen Anlass für Horrorszenarien gibt. Wir wären Ihnen daher dankbar, wenn Sie die genannten Sachverhalte zukünftig bei Ihrer Berichterstattung berücksichtigen würden. Wenden Sie sich bei Fragen zum Thema moderne Brennstoffe gerne direkt an uns!
Mit freundlichen Grüßen
Martin Bentele
P.S.: Weitere Daten zum internationalen Pelletmarkt und zur Pelletproduktion in Deutschland finden Sie auf der Webseite des Deutschen Pelletinstituts (DEPI): www.depi.de/de/pelletproduktion

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