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29.01.2015

„Die Menschen müssen wissen, es gibt eine lukrative Abwrackprämie für die alte fossile Heizung"

Interview mit dem DEPV-Vorsitzenden Andreas Lingner zum Pelletmarkt 2014 und den Herausforderungen 2015

Herr Lingner, wie war das abgelaufene Jahr 2014 für die Pelletbranche?
Lingner: Es war kein gutes Jahr für uns. Anstelle erhoffter 45.000 Feuerungen wurden nur rund 36.500 Pelletkessel und -öfen installiert. Der Rückgang, vor allem im Leistungsbereich bis 50 kW, betrug gegenüber 2013 rund 30 Prozent. Damit können wir nicht zufrieden sein.

Was waren die Ursachen?
Lingner: Nachdem 2012 und 2013 relativ gute „Pelletjahre“ waren, hat uns nun auch die generelle Marktflaute erwischt. Die Menschen haben weniger den Heizungstausch vor Augen, sondern renovieren an prestigeträchtigerer Stelle, wie im Bad, wenn sie überhaupt investieren. Dazu kam zum einen, dass der Winter 2013/2014 nicht stattfand und dann ab Herbst 2014 zusätzlich noch der rapid fallende Ölpreis – beides Gift für den Heizungstausch.

Wie wollen Sie wieder Schwung in den Markt für Pelletheizungen bringen?
Lingner: Den Ölpreis können wir nicht beeinflussen, aber der mündige Verbraucher weiß, dass er irgendwann wieder steigt. Bei einer Investition im Heizungskeller müssen 20 Jahre als Berechnungszeitraum für die Wirtschaftlichkeit zugrunde gelegt. Insofern werden sich Pelletheizungen auch weiterhin rentieren. Was wir jetzt aber schnell benötigen, ist ein Signal für den Verbraucher, das ihm dem Wechsel zu den Erneuerbaren im Heizungskeller schmackhaft macht.

Wird das die Steuerabschreibung für die energetische Gebäudesanierung sein, über die jeder redet?
Lingner: Nein, so wie im Eckpunktepapier der Bundesregierung skizziert, keinesfalls. Wenn es nicht zur Besserstellung der CO2-einsparenden Technologien wie Pellets und Solar kommt, wird sie für erneuerbare Wärme kaum Anreiz bieten. Im Gegenteil, es gäbe dann weiteren Rückenwind für Öl und Gas. Wenn für die Energiewende am Wärmemarkt etwas bewirkt werden soll, muss der Anreiz einer Steuerabschreibung für uns vergleichbar attraktiv sein wie die Förderung im Marktanreizprogramm (MAP).

Und wie ist der Anreiz durch das Marktanreizprogramm einzuschätzen?
Lingner: Der Ölpreis erschlägt das MAP momentan. Wir müssen die Bundesregierung dazu bringen, schnell tätig zu werden. Was wir brauchen, ist ein deutliches Signal, dass Heizen mit erneuerbaren Energien und die damit verbundene CO2-Einsparung von der Politik angemessen unterstützt werden. Die für März angekündigte MAP-Novellierung muss hier Zeichen setzen! Zusätzlich muss erheblich mehr Aufwand in der Außendarstellung betrieben werden. Die Menschen müssen wissen, es gibt eine lukrative Abwrackprämie für die alte fossile Heizung.

Hat die Pelletbranche auch eigene Aufgaben?
Lingner: Natürlich haben wir auch genügend „Hausaufgaben“, vor allem bei der Qualitätssicherung. Mit dem ENplus-Zeichen haben wir die Messlatte für hochwertigen Holzbrennstoff geschaffen, die heute bundesweit schon von über 100 Brennstoffhändlern umgesetzt wird. Eine Ausdehnung auf Holzbriketts und Hackschnitzel steht dieses Jahr bevor. Analoge Anstrengungen beim Handwerk stellt die Qualifizierung von Heizungsbauern zum „Fachbetrieb Pellets und Biomasse“ dar. Kompetenten Handel und Handwerk zu vernetzen ist eine Daueraufgabe!

Zum Abschluss die Frage, kann es sein, dass das Heizen mit Pellets in den Augen der Verbraucher nicht mehr innovativ genug ist?
Lingner: Für die Innovation sprechen allein die Fakten: Pelletheizungen sind über die Fördervoraussetzungen „gezwungenermaßen“ so komfortabel wie fossile Kessel und dabei höchst effizient und sehr emissionsarm. Für Letzteres sorgen aktuell die Vorgaben der 1. BImSchV mit ihren – vor allem für die seit diesem Jahr geltende 2. Stufe – äußerst strengen Grenzwerten. Heizen mit Holz hat auch nur dann eine Zukunft, wenn es niedrigste Feinstaubemissionen nachweist. Ich bin mir sicher, dass dies der Pelletheizung letztlich zum Wettbewerbsvorteil gereicht. Damit diese Vorzüge der Pelletheizung vom Verbraucher auch  erkannt werden, arbeiten wir hart mit dem für das Dachmarketing zuständigen Deutschen Pelletinstitut.
 
 
Andreas Lingner ist seit März 2014 Vorsitzenden des DEPV. Der 49jährige gebürtige Hannoveraner führt hauptberuflich seit Januar 2010 in Deutschland die Geschäfte von KWB Biomasseheizungen GmbH. Vorher war er Bereichsleiter Nord der Elco GmbH sowie Niederlassungsleiter bei verschiedenen Kesselherstellern.


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